Das soll „wirtschaftlich“ sein???

Heute möchte ich über ein Thema sprechen, das uns in unserem Tagesgeschäft immer wieder begegnet. Dieses Problem verbirgt sich unter dem Deckmantel der „Wirtschaftlichkeit“ und bereitet uns regelmäßig Kopfzerbrechen.

„Wirtschaftlichkeit“ ist bei vielen Themen ein missverstandener Begriff. Bei keinem Thema wird der Begriff allerdings so verdreht wie bei meinem heutigen Fall!

Der Duden definiert „Wirtschaftlichkeit“ als „Übereinstimmung mit dem Prinzip, mit den gegebenen Mitteln den größtmöglichen Ertrag zu erwirtschaften oder für einen bestimmten Ertrag die geringstmöglichen Mittel einzusetzen.“

Also bedeutet Wirtschaftlichkeit, dass man mit den gegebenen Mitteln die bestmöglichste Leistung erreichen soll. Wirtschaftlichkeit bedeutet jedoch nicht, Mittel so einzusetzen, dass das gewünschte Ziel nicht erzielbar ist.

Dann sprechen wir nämlich nicht von Wirtschaftlichkeit, sondern von Geldverschwendung!

Damit sind wir bei meinem heutigen Thema. Nämlich, dass Mitarbeiter eines Unternehmens einen bestimmten Sprachlevel erwerben sollen, damit sie ihren Job vernünftig ausüben können.

Bei dem Thema „Sprachenlernen“ sind wir Experten. Wir verstehen unser Handwerk. Wir sind mit relevanten Studien und Forschungsergebnissen bestens vertraut. Wir haben unseren Finger am Puls der Entwicklungen neuer Methoden und Techniken Zusammengefasst: Wir wissen was wir tun!

Und dann kommen potentielle Kunden, die all unsere Erfahrungen und Empfehlungen in den Wind schlagen, um einem missverstandenen Begriff Folge zu leisten.

Kunden, die eine „wirtschaftliche“ Trainingsgestaltung fordern, die das effektive Lernen BEHINDERT anstatt es zu fördern.

Und Kunden, die uns dann mit dem Argument „Andere Anbieter machen das so“ begegnen.

Dabei werden übrigens genau die Stärken negiert, die uns als Anbieter auszeichnen. Wenn ich mir als Dienstleister auf die Fahne schreibe, dass ich es besser als die „Anderen“ machen möchte und alles dafür tue um diesem Anspruch gerecht zu werden, dann ist es wenig sinnvoll gerade diese Stärken abzulehnen.

Was bitte ist an folgenden Szenarien „wirtschaftlich“?

1. Einen „Anfänger“ (GER Level A1), eine „fortgeschrittene Anfängerin“ (GER Level A2) und eine „Mittelstufe“ (GER Level B1) zusammen in einer Gruppe zu trainieren?

Die einzelnen Sprachlevel sind viel zu unterschiedlich, es liegen hunderte von Lernstunden zwischen jedem dieser Teilnehmenden.

Die Anforderungen passen keinesfalls zueinander, denn während A1 erst einmal die Grundlagen lernen muss möchte B1 das Verhandeln üben. Und A2 würde gerne auf ihre vorhandenen Grundlagen aufbauen, damit sie am Telefon nicht laufend überfordert ist.

Am Ende werden alle Teilnehmenden frustriert sein. Diese Konstellation kann man nämlich mit einer Zusammensetzung von Erstklässler, vierte Klasse und siebte Klasse vergleichen.

Die Frage nach dem Lernerfolg kann man sich dabei selbstverständlich sparen.

2. Gruppen mit zu vielen Teilnehmenden.

Jedes relevante, wissenschaftliche Forschungsergebnis kommt zu der Schlussfolgerung, dass das eigenständige Sprechen der wichtigste Faktor im Erwerb einer Sprache ist. Aber, je größer die Gruppe, desto weniger Sprechzeit bekommt der Einzelne.

Der erwünschte Lernerfolg wird auch hier nicht eintreten. 4,5 oder 7 Minuten freie „Sprechzeit“ pro Teilnehmer/Woche kann keinen Fortschritt mit sich bringen.

3. Eine Kombination aus 1 und 2

Übrigens handelt es sich hier um genau die Konstellation, die am Häufigsten angeboten wird.

Bei solchen „Trainings“ sitzen die Teilnehmenden einfach die Zeit ab.

Und jetzt meine Kernfrage: Was, in aller Welt, macht diese Art der Geld- und Zeitverschwendung „wirtschaftlich“?

2018-06-19T14:51:13+00:00