Jedem Tierchen sein Pläsierchen: Der Galgenvogel

Bei dieser Artikelreihe geht es um die Tierwelt. Und zwar um die diversen Tierversammlungen, die man so findet.

Im Deutschen sind die Namen für Tierverbände wenig einfallsreich. So finden sich in der hiesigen Tierwelt lediglich Herden, Schwärme oder Rudel. Einzige exotische Ausnahmen sind die Versammlungen der Gänse (Schoof) und der Wildschweine (Rotte).

Da brat mir doch einer einen Storch, die englische Sprache ist eindeutig einfallsreicher. Und weil der frühe Vogel bekanntlich den Wurm fängt, fangen wir sofort, ohne schuldhaftes Zögern, mit unserem ersten (Mord) Fall an.

Sie sind schwarz.
Sie krächzen.
Sie gehören zu den Rabenvögeln.
Sie haben ein schlechtes Image.

Im Mittelalter gab es öfters Schlachten mit vielen Toten. Die Gefallenen blieben dann mehr oder weniger lange auf dem Schlachtfeld liegen. Ebenso waren öffentliche Hinrichtungen sehr beliebt. Dabei blieben die Gehenkten häufig noch eine Weile am Galgen hängen. Es gab also Leichname im Überfluss.

Jetzt ist es so, dass es sich bei diesen schwarzen Vögeln um Aasfresser handelt. Aasfresser unterscheiden bekanntlich nicht zwischen Mensch und Tier. Leiche ist gleich Leiche und alle schmecken gleich gut. Finden diese Vögel. Diese kulinarische Vorliebe machte sie nicht nur unbeliebt, sie brachte ihnen auch den Spitznamen „Galgenvögel“ ein.

Zu allem Unglück galten diese Tiere auch als Gefährten von Hexen. Das war für Frauen sehr gefährlich, denn dieser Aberglaube war so ausgeprägt, dass eine Frau schon der Hexerei beschuldigt werden konnte, wenn ihr einer dieser schwarzen Gesellen zu nahe kam. Da es im Mittelalter für „Hexen“ ja bekanntlich heiß herging, machte diese Problematik die „Galgenvögel“ nicht beliebter. Wer wollte schon wegen eines Vogels auf dem Scheiterhaufen enden?

Erwischte man eines dieser armen Geschöpfe (den Vogel, nicht die Hexe), dann war es ein Brauch, diesen zu töten und dann an die Haustür zu nageln. Dies sollte Unheil abwehren.

Den schlechten Ruf haben die Galgenvögel nicht verdient. Im Gegenteil, sie gehören zu den intelligentesten Vögeln überhaupt. Sie besitzen eine hohe Lernfähigkeit, eine gute Beobachtungsgabe und eine ausgeprägte soziale Intelligenz.

In Anbetracht dieser Vorgeschichte ist es kein Wunder, dass eine Gruppe von Krähen, denn um diese handelt es sich hier, als „a murder of crows“ (Mord von Krähen) bezeichnet wird.

Ihren nahen Verwandten, den Raben, erging es übrigens nicht viel anders. Und auch die Raben haben einen „gemeinen“ Namen bekommen, nämlich „an unkindess of ravens“ (Lieblosigkeit, Unfreundlichkeit von Raben).

Quellen: planet-wissen.de, volksfreund.de

Mehr zu diesem Falschen Freund gibt’s morgen im InfoChannel. Reinschauen. Anschauen. Lächeln. Lernen. https://www.youtube.com/c/Englisch-nach-massDe

2019-10-18T09:02:23+00:00