Hüte dich vor Falschen Freunden: „Grünes Licht“ für Denglish

Neulich in der Marketingagentur vernommen: „Wir greenlighten das jetzt.“

DAS ist Fachkonversation, oder?!??!!!

„Greenlighten“ ist allerdings nicht fachspezifisches Englisch, sondern ein entzückendes, neues Beispiel der Gattung „Denglisch“. Bei den meisten „denglischen“ Begriffen handelt es sich übrigens nicht um englische Fachausdrücke. Vielmehr sind es deutsche Bezeichnungen, die als englische Begriffe verkleidet, die Sprachenwelt unsicher machen. Englisch Grundlagen reichen hier für das Verständnis meistens nicht mehr aus.

Was hat es also mit „greenlighten“ auf sich. Die Grundbedeutung für das neue Wort ist auf Deutsch und English gleich. Nämlich „grünes Licht geben“ bzw. „to greenlight something“. In beiden Sprachen bezieht sich der Ausdruck auf die Ampel. Grün bedeutet also „los“ (gehen/fahren).

Hier kommt eine kleine Sprachreise nach Hollywood. Der englische Begriff „greenlight bzw. green-light“ kommt ursprünglich aus der Filmindustrie und bedeutet, dass ein Projekt „grünes Licht“ erhalten hat.

Gefolgt von etwas Englisch für Fortgeschrittene: Da Denglisch meistens ja englische Begriffe „verdeutscht“ wurden, so aus dem englischen „to greenlight“ das deutsche „greenlighten“. Das übrigens, obwohl es den Begriff ja bereits im Deutschen gibt, nur halt nicht so „englisch“. „Grünes Licht geben“ ist augenscheinlich weniger „cool“ als „greenlighten“.

Daraus ergeben sich dann interessante Konstruktionen wie „gegreenlighted“ oder sein Gegenteil „unge greenlighted“. Coole Typen lassen diese Begriffe dann auch in ihre Verhandlungen auf Englisch einfließen.

Der Haken an der Sache? Na ja, es klingt seltsam, so seltsam nämlich, dass der Ausdruck es in den Spiegel „Bullshit-O-Mat“ geschafft hat.

Nicht nur, dass es auf Deutsch ganz schön eigenartig klingt, dieser Pseudoanglizismus wird jeden „Nicht-Deutsch-Sprachler“ hoffnungslos verwirren. Weder „native speakers“ noch solche die Englisch als Kommunikationssprache anwenden, werden sich irgendeinen Reim aus „gegreenlighted“ machen können. Da hilft auch kein Englisch Intensivkurs!

Geben Sie diesem Scheinanglizismus also besser kein „grünes Licht“.

Quelle: Spiegel Online

Mehr zu diesem Falschen Freund gibt’s morgen im InfoChannel. Reinschauen. Anschauen. Lächeln. Lernen. https://www.youtube.com/c/Englisch-nach-massDe