Gefährliche „Übelsetzungen“: Querschnittsgelähmt durch falsche Übersetzung

Eine Szene die sich jeder vorstellen kann. Man ist im Ausland und plötzlich geht es einem schlecht. In der Notaufnahme gibt es Sprachbarrieren auf beiden Seiten. Und das kann schnell gefährlich werden.

Wie bei dem damals 18-jährigen Willie Ramirez in Florida. Der junge Mann ist kubanischer Herkunft, seine Familie spricht kaum Englisch. Als er im Januar 1980 plötzlich kollabierte, wurde er in die Notaufnahme gebracht. Dort beschrieben seine Angehörigen seinen Zustand als „intoxicado“.

„Intoxicado“ ist ein kubanisches Wort. Es bedeutet, dass es jemand schlecht geht weil er etwas gegessen oder getrunken hat das er nicht verträgt. Eine allergische Reaktion oder eine Magenverstimmung durch Lebensmittel. Willies Angehörige dachten er hätte eine Lebensmittelvergiftung.

Das fatale Missverständnis:

• Das kubanische „intoxicado“ ähnelt dem englischen „intoxicated“.
• „Intoxicated“ bedeutet „berauscht“.
• Die behandelnden Ärzte übersetzten „intoxicado“ falsch.
• Sie dachten Willie hätte absichtlich Drogen konsumiert und behandelten eine vermeintliche Überdosis.
• Daher wurde auch keine weitere Diagnostik gefahren und das tatsächliche Problem, eine Blutung im Gehirn, wurde nicht erkannt.
• Die Blutung verlief zwei Tage lang ohne Behandlung.
• Dies verursachte eine Querschnittslähmung.

Willie Ramirez ist seitdem an allen Gliedern gelähmt.

Wäre Willies Erkrankung richtig und zeitnah diagnostiziert worden, dann hätte er das Krankenhaus auf seinen eigenen zwei Beinen verlassen. Aber, weil die in seiner Behandlung involvierten Menschen auf ihre fehlerhafte Übersetzung vertrauten blieb der 18-jährige schwerstbehindert.

Im nächsten Blog: Gefährliche Übelsetzungen: Das falsche Medikament

Quellen: healthaffairs.org

2018-11-13T14:09:56+00:00