Fakten zum Sprachenlernen, Teil 4: Lernmethoden

Unsere Artikelreihe „Fakten zum Sprachenlernen“ befasst sich mit Themen rund um den Erwerb fremdsprachlicher Kompetenzen:

Teil 1. Was bedeutet „verhandlungssicher“ in einer Sprache?
Teil 2. Wie kann man Sprachkompetenz messen?
Teil 3. Wie lange dauert es, eine Sprache zu erlernen?
Teil 4. Wie lerne ich eine neue Sprache am besten? Was funktioniert? Und was ist Augenwischerei?
Teil 5. Mit welchen Kosten kann ich rechnen?
Teil 6. Fazit.

Anhand aktueller Forschungsergebnisse und meinen eigenen Erfahrungswerten aus über 21 Jahren Leitung der „Englisch nach Maß GmbH“ möchte ich diese Fragen beantworten und eine realistische Erwartungshaltung für den Erwerb von fremdsprachlichen Kompetenzen schaffen.

Teil 4. Wie lerne ich eine neue Sprache am besten? Welche Lehr- und Lernmethoden funktionieren?

Als Hintergrund ist hier ein Blick auf unsere ersten Sprech- und Sprachversuche sehr hilfreich. Kinder lernen das Sprechen indem sie ihr sprachliches Umfeld nachahmen. Aus diesem Grund sprechen Kinder auch den Dialekt ihres Umfeldes. Kinder lernen Sprache durch ihre Umgebung, durch Experimentieren und durch Fehler. Das Sprechen ist von größter Bedeutung in diesem Prozess. Je mehr ein Kind spricht, desto schneller und besser wird es seine Sprache beherrschen.

Diese Feststellung ist von beträchtlicher Wichtigkeit für den tatsächlichen Lernprozess. Sie lernen eine neue Sprache am schnellsten und am effektivsten, indem Sie die natürlichen Abläufe Ihres Gehirns unterstützen und diese Sprache möglichst viel sprechen.

Was bedeutet das in Puncto Lehrmethoden und Lernprozesse?

Grundsätzlich kann man von den vorhandenen Forschungsergebnissen ableiten, dass aktive Lehr- und Lernmethoden mit Abstand die besten Ergebnisse erzielen.

a) Aktive Methoden beinhalten viel Kommunikation mit anderen Menschen. Diese Kommunikation muss gezielt gesteuert werden, um Stärken zu fördern und Schwächen zu unterstützen. Dabei ist es unerlässlich, dass Lerngruppen klein und sprachlich auf einem homogenen Niveau sind.

Diese gezielte Steuerung/Leitung unterscheidet aktive Methoden maßgeblich von Lernmethoden mit wenig Kommunikation (z. B. Apps, Bücher, Lernprogramme) oder einseitiger Kommunikation (z. B. Spracherkennungsprogramme).

b) Große Lerngruppen oder gemischte Sprachlevel der Teilnehmenden verhindern ein effektives Lernen der Fremdsprache. Kombiniert man diese Faktoren, was leider recht häufig vorkommt, hat das fatale Auswirkungen auf den Lernerfolg.

c) Um die gewünschten Erfolge zu erzielen, ist einiges an Kompetenzen in Lehrmethodik und Didaktik erforderlich. Es ist daher absolut essentiell, dass die menschliche Lehrkraft über diese notwendigen Kompetenzen verfügt. Lediglich Muttersprachler zu sein beinhaltet keine methodische bzw. didaktische Kompetenz.

d) Je intensiver ein Lernprozess ist, desto schneller bringt er Erfolge. Hier ein Beispiel:

Ausgangslevel: GER A2. Ziellevel: GER B1.

1. Beispiel 1:
Training 90 Minuten/Woche, Unstrukturierte Eigenarbeit 30 Minuten/Woche = Dauer ca. 400 – 500 Std. bzw. 4 – 5 Jahre

2. Beispiel 2:
Training 90 Minuten/Woche, Strukturierte, Komplementäre Eigenarbeit 60 Minuten/Woche als Blended Learning Training = Dauer ca. 300 Std. bzw. 2,5 Jahre

3. Beispiel 3:
Training 2 x 90 Minuten/Woche, Strukturierte, Komplementäre Eigenarbeit 120 Minuten/Woche als Blended Learning Training = Dauer ca. 300 Std. bzw. 1,5 Jahre

4. Beispiel 4:
Sprachreise, Training 45 Std/Woche, Komplementäre Eigenarbeit 15 Std/Woche, Kommunikation mit Umfeld 20 Std/Woche = Dauer ca. 4 – 5 Wochen

Ein Training wie in Beispiel 1 wird nicht dieselben Ergebnisse bringen wie ein sehr intensives Training wie Beispiel 3. Die effektivste Förderung eines jeglichen Lernprozesses ist eine Umgebung in der Zielsprache, wie in Beispiel 4.

Was ist Augenwischerei?

Lernprozesse

• die sehr kurzfristig zum Erfolg führen sollen („Lernen Sie Englisch in drei Wochen“)
• die „Wundermethoden“ anpreisen (Lernen „per Mausklick“, „im Schlaf“, „kinderleicht“, „mühelos“ usw.)
• die billig („günstig“), bzw. kostenlos sind

sind unseriös.

Wenn es wirklich so einfach wäre, Fremdsprachen mit diesen „Zaubermitteln“ zu lernen, dann hätte doch mittlerweile jeder alle denkbaren Sprachen „in drei Wochen“, „kinderleicht“, „kostenlos“, „im Schlaf“ und „mühelos“ gelernt. Oder?

Im nächsten Blog:
Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit: Das Grillfest der Brigade

Am 10. Oktober 2018 geht es weiter mit: Fakten zum Sprachenlernen, Teil 5: Kosten

Quellen: http://linguistlist.org/ask-ling/lang-acq.cfm, Pecchi, Jean Stillwell. 1994. Child Language. London: Routedge, Bongaerts, T. (2005). Introduction: Ultimate attainment and the critical period hypothesis for second language acquisition. International Review of Applied Linguistics in Language Teaching, pushtolearn.com, Eaton, S. E. (2012). How will Alberta’s second language students ever achieve proficiency? ACTFL Proficiency Guidelines, the CEFR and the “10,000-hour rule” in relation to the Alberta K-12 language-learning context. Notos, 12(2), 2-12, www.state.gov/m/fsi/sls/c78549

2018-09-24T13:00:16+00:00